In Anbetracht der Herausforderungen des Klimawandels sollte Nachhaltigkeit auch bei der Geldanlage eine zentrale Rolle spielen. Dennoch zeigt die aktuelle Entwicklung einen gegenteiligen Trend, abgesehen von einigen Ausnahmen.
Ressourcenverbrauch in Deutschland
Deutschland hat seine Ressourcen für das Jahr 2026 bereits am vergangenen Sonntag aufgebraucht. Dies geht aus den Berechnungen des Global Footprint Networks hervor, das jährlich den sogenannten Erdüberlastungstag für den Globus sowie für einzelne Länder ermittelt.
Umweltverbände kritisieren, dass nach wie vor zu viel Öl, Gas und Kohle genutzt werden.
Die Bedeutung nachhaltiger Investitionen
Das Beispiel Deutschlands verdeutlicht, wie dringend notwendig es wäre, dass die Bevölkerung nachhaltiger handelt – dies gilt auch für ihre Investitionen. In der Vergangenheit war es ein Trend, Geld zu verdienen und gleichzeitig Gutes zu tun, indem in Unternehmen investiert wurde, die hohe Umwelt- und Sozialstandards einhalten.
Aktuell zeigt sich jedoch ein gegenteiliger Trend: Nachhaltigkeit scheint zunehmend in den Hintergrund zu rücken.
Rückgang der Mittelzuflüsse in nachhaltige Fonds
Die Finanzanalysefirma Morningstar hat festgestellt, dass im vergangenen Jahr 84 Milliarden Dollar aus globalen nachhaltigen Fonds abgezogen wurden. Dies stellt den ersten Mittelabfluss seit 2018 dar, seitdem diese Daten erfasst werden.
Kevin Naumann von der Beratungsgesellschaft KPMG äußerte: „Die Katastrophen und Ereignisse, die wir in der Natur beobachten, zeigen, dass wir eigentlich viel mehr Mittel in nachhaltige Projekte investieren sollten, anstatt sie abzuziehen.“
Einfluss geopolitischer Risiken
Der Rückzug der Investoren hat mehrere Ursachen. Ein Beispiel ist die Trump-Regierung in den USA, die gegen Nachhaltigkeitskriterien argumentiert, da sie diese als Teil einer vermeintlich „woken“ Agenda betrachtet.
Naumann erklärt: „Wenn amerikanische Unternehmen mit weniger nachhaltigen Investitionen derzeit höhere Renditen erzielen, fließen die Mittel logischerweise dorthin. Die großen amerikanischen Anbieter setzen somit den Takt, dem auch europäische Investoren folgen müssen.“
Zusätzlich führen geopolitische Risiken, wie der Krieg in der Ukraine und wirtschaftliche Umbrüche, zu einer Umverteilung der Investitionen: weg vom sogenannten Impact-Investing, bei dem die nachhaltige Wirkung wichtiger ist als die Rendite, hin zu Anlagen mit weniger strengen Nachhaltigkeitskriterien, die jedoch höhere Renditen versprechen.
Langfristige Perspektive auf Nachhaltigkeit
Karsten Kührlings von GLS Investments, einer auf Nachhaltigkeit spezialisierten Fondsgesellschaft, betont, dass die Frage nach Rendite und Nachhaltigkeit langfristig betrachtet werden muss: „Unternehmen sollten Nachhaltigkeit als Teil ihres Risikomanagements betrachten, um Reputationsrisiken und Schäden zu vermeiden. In Zukunft sollten nachhaltige Investitionen besser abschneiden als in der Vergangenheit.“
Kührlings weist auch auf Investitionsmöglichkeiten in die Infrastruktur hin: „Die Infrastruktur in Europa, insbesondere in Deutschland, ist veraltet und nicht zukunftsfähig. Hier ergeben sich interessante Chancen für Investoren, die sowohl Gutes tun als auch von diesen Investitionen profitieren möchten.“
Erneuerbare Energien im Fokus
In den letzten Wochen beobachten einige Analysten eine Wachstumsdynamik im Bereich der Energieinfrastruktur und bei Aktien von Unternehmen, die sich mit erneuerbaren Energien beschäftigen. Stefan Riße vom Vermögensverwalter Acatis stellt jedoch fest: „Der Anstieg der erneuerbaren Energien wird nicht primär durch den Klimaschutz vorangetrieben, sondern durch die stark steigenden Energiepreise, die durch geopolitische Konflikte wie den Iran-Krieg bedingt sind.“
Die aktuelle Situation zeigt, dass der Wunsch nach nachhaltigen Investitionen oft von wirtschaftlichen Faktoren überlagert wird.
Quellen: wallstreet-online, dws, investorenplattform