„Sie werden früher oder später auch nach Norddeutschland kommen“, äußert sich der Biologe Helge Kampen vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald besorgt über die drohende Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke. Diese Insektenart, die gefährliche Krankheitserreger übertragen kann, hat sich bereits in vielen Teilen Deutschlands etabliert und könnte bald auch im Norden auftreten.
Aktuelle Verbreitung der Tigermücke
Die Asiatische Tigermücke, ursprünglich aus dem asiatisch-pazifischen Raum stammend, hat sich seit den 1990er Jahren massiv in Südeuropa und Teilen Mitteleuropas verbreitet. In Deutschland sind die Mücken bisher vor allem im Südwesten anzutreffen. Laut einer Erhebung des FLI aus Dezember 2025 ist Berlin der nördlichste Ort mit etablierten Populationen. In Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern wurden bislang keine Mücken gesichtet, was laut Kampen jedoch nur eine Frage der Zeit ist.
Ursachen für die Ausbreitung
Die Ausbreitung der Tigermücke erfolgt häufig durch den Menschen. „Die Mücken reisen in Lastwagen und Autos nach Deutschland“, erklärt Kampen. Die Weibchen dieser Mückenart suchen gezielt nach Menschen, um Blut zu saugen, und gelangen dabei oft in Fahrzeuge. „Die Türen gehen auf und die Mücken steigen aus“, so der Biologe weiter. Besonders die A5 zwischen der Schweiz und Deutschland gilt als Hauptverkehrsweg für die Einreise dieser Mückenart.
Transport von Eiern und Larven
Ein weiterer Verbreitungsweg sind die Eier, die in Wassergefäßen transportiert werden, etwa in Baumarkt-Außenstellflächen. Die Tigermücke benötigt zum Ablegen ihrer Eier stehendes Wasser, wobei sie kleine, künstliche Wassergefäße in Siedlungsgebieten bevorzugt. Beispiele hierfür sind:
- Vogeltränken
- Blumenuntersetzer
- Sandförmchen von Kindern
„Steigt der Wasserstand durch Regen, werden die Eier geflutet und die Larven schlüpfen“, erläutert Kampen. Bei optimalen Temperaturen von etwa 25 Grad dauert es 12 bis 14 Tage, bis die Mücken schlüpfen.
Gesundheitliche Risiken durch Tigermücken
Die Asiatische Tigermücke kann verschiedene Krankheitserreger wie das Dengue-Virus, Zika-Virus und Chikungunya-Virus übertragen. Bisher sind in Deutschland jedoch keine Fälle bekannt, in denen eine hier lebende Tigermücke eine solche Erkrankung übertragen hat. Experten warnen jedoch, dass dies aufgrund des Klimawandels nur eine Frage der Zeit sei.
Frühe Sichtungen in diesem Jahr
Normalerweise sind die ersten Tigermücken in Deutschland frühestens ab Mai aktiv. In diesem Jahr wurde jedoch bereits im Februar die erste Tigermücke aus dem Raum Bonn gemeldet, was auf eine frühere Aktivität hindeutet.
Ähnliche Risiken durch heimische Mücken
Es ist wichtig zu beachten, dass auch heimische Mückenarten, wie die Culex-Mücke, Krankheiten übertragen können. Diese Mückenart kann als Überträger des West-Nil-Virus fungieren. In Hamburg wurden bereits Nachweise des Virus bei Vögeln und Pferden festgestellt, jedoch noch nicht beim Menschen.
Schutzmaßnahmen gegen Mückenstiche
Um sich vor Mückenstichen zu schützen, empfiehlt das Institut für Hygiene und Umwelt in Hamburg, folgende Maßnahmen zu ergreifen:
- Tragen von langärmeliger, heller Kleidung
- Verwendung von Mückenspray
- Installation von Moskitonetzen oder Mückengittern
Die Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke stellt somit eine ernstzunehmende Herausforderung dar, die sowohl gesundheitliche als auch ökologische Auswirkungen haben könnte.
Quellen: mopo, stern, NDR
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