Passagiere in Schutzkleidung und mit Masken werden im Hafen von Granadilla auf Teneriffa von dem vom Hantavirus betroffenen Kreuzfahrtschiff MV Hondius ausgeschifft.
Madrid/Granadilla
10.05.2026 / 13:55
Die Evakuierung der Menschen an Bord des Kreuzfahrtschiffs „Hondius“, das von einem Hantavirus-Ausbruch betroffen ist, hat in Teneriffa unter strengen Sicherheitsvorkehrungen begonnen. Erste Passagiere und Crewmitglieder wurden bereits wenige Stunden nach der Ankunft des Schiffes im Hafen Granadilla im Süden der Urlaubsinsel in kleinen Gruppen mit Booten an Land gebracht. Anschließend wurden sie in Bussen zum nahegelegenen Flughafen Tenerife Sur transportiert und ausgeflogen.
Zu Beginn der Ausschiffung wurden 14 spanische Staatsbürger, darunter 13 Passagiere und ein Crewmitglied, in Schutzkleidung und Masken an Land gebracht. Diese wurden mit zwei Bussen der Militärischen Nothilfeeinheit UME zum Flughafen gebracht, von wo aus sie nach Madrid flogen. In der spanischen Hauptstadt sollen sie in einem Militärkrankenhaus zusammen mit einem Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter Quarantäne gestellt werden.
Vor der Ausschiffung führten Ärzte an Bord eine epidemiologische Untersuchung durch. Die positive Nachricht des Tages: Alle Passagiere und Besatzungsmitglieder zeigten keine Krankheitssymptome, wie die spanische Gesundheitsministerin Mónica García vor Journalisten am Hafen mitteilte. Auf dem Kreuzfahrtschiff befanden sich zuletzt insgesamt 140 bis 150 Reisende, Besatzungsmitglieder und begleitende Experten aus 23 Ländern.
Transport der deutschen Passagiere
Die Evakuierung der betroffenen deutschen Staatsangehörigen wird von den Niederlanden organisiert. Vier deutsche Passagiere sollen nach ihrer Ankunft am Flughafen im niederländischen Eindhoven nach Frankfurt gebracht werden, wie aus Informationen der Deutschen Presse-Agentur hervorgeht. Für den Transport wurden Einsatzkräfte der Feuerwehr Essen und der Feuerwehr Frankfurt angefordert.
Diese sollen noch am Sonntag vier Passagiere am Militärflughafen in Eindhoven abholen. Anschließend erfolgt der Transport in einem sogenannten Sonderisoliertransport nach Frankfurt.
Die Deutschen, Franzosen, Briten, US-Amerikaner und Betroffene anderer Nationalitäten werden nach den Spaniern evakuiert. Die Niederlande nehmen in ihrer Maschine neben Niederländern auch „Staatsbürger aus Deutschland, Belgien und Griechenland sowie einen Teil der Besatzung“ mit, wie García erklärte.
Die meisten Passagiere und Crewmitglieder sollten noch am Sonntag vor Einbruch der Dunkelheit evakuiert werden. Dabei kommen unter anderem Flugzeuge aus Spanien, den Niederlanden, den USA, Großbritannien, Frankreich, der Türkei, Irland und im Rahmen des EU-Katastrophenschutzmechanismus auch eine Maschine aus Norwegen zum Einsatz.
Der letzte Flug mit sechs Personen ist für Montag nach Australien geplant, erklärte Ministerin García. „Wie alle sehen können, funktionieren die Maßnahmen zur Evakuierung reibungslos.“
Details zur Ankunft der Hondius
Die „Hondius“ ist am frühen Sonntagvormittag in Teneriffa eingetroffen. Auf Bildern war zu sehen, wie die betroffenen Spanier in weißen Schutzanzügen am Flughafen von Einsatzkräften, die Masken und orangefarbene Vollschutzanzüge trugen, mit Desinfektionsmittel besprüht wurden und Informationszettel erhielten, bevor sie an Bord des Fliegers gingen, der sie nach Madrid bringen sollte. Laut Ministerin García dürfen alle Passagiere und Crewmitglieder nur leichtes Handgepäck mitnehmen.
Deutsche Staatsangehörige an Bord
Die „Hondius“ hatte am frühen Vormittag im Hafen von Granadilla angelegt. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums sind darunter eine mittlere einstellige Zahl von deutschen Staatsangehörigen. Laut dem Schiffsbetreiber Oceanwide befinden sich insgesamt sechs Deutsche an Bord.
Nach den jüngsten Angaben der WHO gibt es sechs bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle. Drei dieser acht Personen sind verstorben, darunter ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine Frau aus Deutschland. Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien angesteckt haben könnte.
WHO-Chef beruhigt die Bevölkerung
Gesundheitsministerin García, der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska und auch der Chef der WHO waren eigens auf die Insel gekommen, um die komplexe Evakuierungsaktion zu überwachen. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus versicherte, dass es sich beim Hantavirus nicht um einen mit dem Coronavirus vergleichbaren Erreger handele. In einer Botschaft direkt an die Bevölkerung von Teneriffa betonte er: „Das ist nicht ein neues Covid.“ Das Risiko für die Menschen auf der Insel sei gering, insbesondere da auf dem Kreuzfahrtschiff kein neuer Verdachtsfall aufgetreten sei.
Ursprünglich war geplant, das Schiff aus Sicherheitsgründen und aufgrund der Bedenken der Inselregierung vor dem Hafen vor Anker zu halten. Die spanische Handelsmarine erteilte jedoch in der Nacht die Genehmigung zur Einfahrt in den Hafen. Dort liegt das Schiff nun vor Anker, bevor es mit einem Teil der Besatzung in die Niederlande weiterfährt.
Ausblick nach der Evakuierung
Nach der Ankunft der WHO und anderer Behörden müssen alle Evakuierten in ihren Heimatländern in Quarantäne, da eine Entwarnung aufgrund der langen Inkubationszeit erst nach Wochen möglich ist.
Sobald die Menschen von Bord sind, soll die „Hondius“ ihre Fahrt mit einem Teil der Crew sofort fortsetzen und Richtung Niederlande steuern, unter deren Flagge sie fährt. Erst dort soll der Leichnam einer an Bord verstorbenen Deutschen vom Schiff gebracht werden. Auch die Desinfektion des Schiffes wird in den Niederlanden vorgenommen.
Internationale Besorgnis über Virusausbruch
Das Hantavirus wird in der Regel von Nagetieren übertragen, kann jedoch bei engem Kontakt auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. Der Ausbruch der südamerikanischen Andes-Variante des Virus auf dem kleinen Kreuzfahrtschiff hat weltweit Besorgnis ausgelöst, insbesondere aufgrund der Erinnerungen an die Corona-Pandemie. Vor allem auf den Kanaren äußerten Menschen Ängste wegen einer möglichen Infektion mit dem potenziell tödlichen Virus.
Allerdings ist der aktuelle Fall anders gelagert als der Beginn der Corona-Pandemie vor mehr als sechs Jahren. Selbst wenn es zu einer Übertragung des Andesvirus durch evakuierte Schiffspassagiere käme, wäre das Virus laut der EU-Gesundheitsbehörde ECDC nicht leicht übertragbar, „sodass es unwahrscheinlich ist, dass es zu vielen Infektionsfällen oder einem großflächigen Ausbruch in der Bevölkerung käme“.
Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in der EU durch eine Ausbreitung des Andesvirus sei „sehr gering“. Da bei Zwischenstopps des Schiffes insgesamt mehr als 30 Passagiere und Besatzungsmitglieder ausgestiegen sind, wird nun weltweit nach potenziellen Verdachtsfällen gesucht.
Gesundheitssystem in Spanien als entscheidender Faktor
Die WHO hatte Spanien gebeten, die Menschen auf den Kanaren vor der Westküste Afrikas an Land gehen zu lassen, da die Inselgruppe das erste potenzielle Ziel auf der Route des Schiffes mit einer erstklassigen Gesundheitsversorgung war. Kap Verde, wo die „Hondius“ zuletzt vor Anker gelegen hatte, wollte die Passagiere aufgrund unzureichender Versorgungsmöglichkeiten dort nicht aufnehmen.
Die „Hondius“ hatte ihre Fahrt durch den Südatlantik am 1. April in Ushuaia im Süden Argentiniens begonnen. Zehn Tage später starb ein Niederländer, seine Frau verließ das Schiff bei einem Zwischenstopp auf St. Helena und flog am 24. April nach Südafrika, wo sie kurz darauf in einem Krankenhaus verstarb. Nach Angaben des Schiffsbetreibers Oceanwide starb die Deutsche dann am 3. Mai.
Quellen: mopo
Bildquelle: KI generiert