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Wie Sierra Leone zum zentralen Knotenpunkt im europäischen Kokainhandel wird

Der Zoll hat im JadeWeserPort in Wilhelmshaven eine Rekordmenge von acht Tonnen Kokain sichergestellt. Dieser Fund verdeutlicht die wachsende Rolle Sierra Leones im internationalen Kokainhandel und die Verschiebung der Routen in kleinere europäische Häfen.

Wie Sierra Leone zum zentralen Knotenpunkt im europäischen Kokainhandel wird
GZD via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Der deutsche Zoll hat im JadeWeserPort in Wilhelmshaven eine Rekordmenge Kokain sichergestellt. Dieser Fund beleuchtet die zunehmende Rolle von Sierra Leone im globalen Kokainhandel, wie Recherchen zeigen.

Ein 160-Meter-Containerschiff legte Anfang Februar am Terminal des JadeWeserPort an. Es kam aus Sierra Leone und sollte verschiedene Güter entladen, darunter einen grauen Container, der lediglich umgeladen werden sollte. Laut Frachtpapieren enthielt dieser Container Kakaobohnen, mit dem Zielhafen Barcelona in Spanien. Die Zöllner fanden die Lieferung jedoch verdächtig und führten eine Kontrolle durch, die zu einem Rekordfund führte: In der Ladung wurden 400 Pakete entdeckt, die fest mit schwarzem Plastik umwickelt waren. Jedes dieser Pakete enthielt 20 Blöcke Kokain, insgesamt also acht Tonnen der Droge. Dies stellt eine der größten Einzelsicherstellungen in Deutschland dar.

Tino Igelmann, der Leiter des Zollkriminalamtes, bezeichnete den Fund als einen erheblichen Schlag gegen die organisierte Drogenkriminalität. Er dankte der Staatsanwaltschaft Aurich für die schnelle Zustimmung zur Vernichtung der Drogen, um zu verhindern, dass die Drogenbande versucht, die Drogen zurückzuerlangen.

Der Fund im JadeWeserPort ist nicht nur bemerkenswert, weil er eine der größten Sicherstellungen der letzten Jahre darstellt, sondern auch, weil er die wachsende Bedeutung von Sierra Leone als Umschlagplatz im internationalen Kokainhandel unterstreicht. Europa hat sich in den letzten Jahren zum größten Markt für Kokain weltweit entwickelt, wobei immer größere Mengen aus Lateinamerika nach Ländern wie Frankreich, Spanien, Belgien, Deutschland und in die Niederlande gelangen.

Ein Trend zu kleineren Häfen

Die Sicherheitsmaßnahmen in großen europäischen Häfen wie Rotterdam, Hamburg und Antwerpen wurden in den letzten Jahren erheblich verstärkt, was zu einem Rückgang der Kokainfunde in diesen Häfen geführt hat. Der aktuelle Fund im vergleichsweise kleinen JadeWeserPort könnte jedoch einen besorgniserregenden Trend bestätigen: Ermittler warnen, dass kleinere Häfen und Binnenhäfen zunehmend ins Visier von Drogenbanden geraten könnten. In den letzten Monaten gab es immer wieder spektakuläre Drogenfunde in kleinen Häfen in Frankreich und Deutschland.

Die Drogen, die in Niedersachsen sichergestellt wurden, stammten ursprünglich aus Sierra Leone. Positionsdaten des Containerschiffs zeigen, dass es den Hafen von Freetown Ende Januar verließ und eine Route entlang der afrikanischen Westküste nahm, bevor es zwei Wochen später in Wilhelmshaven anlegte.

Sierra Leone als zentraler Umschlagplatz

Sierra Leone hat sich in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Umschlagplatz im transatlantischen Kokainhandel entwickelt. Die Drogen werden mit Schiffen aus Lateinamerika nach Westafrika geschmuggelt und von dort nach Europa transportiert. Erst Anfang Mai wurde ein weiteres Schiff aus Sierra Leone von der spanischen Polizei vor der Küste der Westsahara gestoppt, an Bord befanden sich mehr als 30 Tonnen Kokain.

Die niederländischen Ermittler bringen die steigenden Kokainlieferungen aus Westafrika mit einem Mann in Verbindung, der den Spitznamen „Bolle Jos“ trägt. Jos Leijdekkers gilt als einer der meistgesuchten Kriminellen Europas und wurde in den Niederlanden in Abwesenheit zu 24 Jahren Haft verurteilt.

Die Opposition in Sierra Leone wirft der Regierung vor, den Drogenbaron zu schützen, was die Regierung jedoch zurückweist. Ob die acht Tonnen Kokain, die im JadeWeserPort beschlagnahmt wurden, mit Leijdekkers in Verbindung stehen, ist unklar.

Internationale Zusammenarbeit und Herausforderungen

Auf einer Pressekonferenz in Köln äußerte die Leiterin der Zollfahndung Hannover, Monika Dennhardt, dass die Ermittlungen in Spanien geführt werden. Sie lobte die internationale Zusammenarbeit zwischen den Zollfahndern in Niedersachsen und ihren spanischen Kollegen, die dazu beigetragen hat, „die internationalen Lieferstrukturen aufzuhellen“ und mehrere Täter festzunehmen.

Insider berichten, dass europäische Sicherheitsbehörden in Westafrika nicht gut vernetzt sind, im Gegensatz zu Lateinamerika. Das BKA äußert Besorgnis über die zunehmende Rolle von Sierra Leone als Drehkreuz für den Drogenschmuggel. „Die Täter nutzen die defizitäre Überwachungssituation vor und an den westafrikanischen Küstengebieten“, sagt Hans-Joachim Leon, Leiter der Rauschgiftbekämpfung im BKA.

Ermittlungen und Festnahmen

Ob die Ermittler die Hinterleute hinter dem Fund von acht Tonnen Kokain identifizieren können, bleibt abzuwarten. Ein erster Ermittlungserfolg wurde jedoch bereits erzielt: Die Zollfahndung Hannover füllte den beschlagnahmten Container mit einer Tarnladung und ließ ihn weiter nach Barcelona transportieren. Dort meldete sich eine Firma, die die Ware übernehmen wollte, was zur Festnahme von zwei Männern in Andalusien führte, die mit der Importfirma in Verbindung stehen.

Die Männer sind spanische Staatsbürger und einer von ihnen war bereits in der Vergangenheit im Zusammenhang mit einem anderen Kokaintransport aufgefallen.


Quellen: tagesschau

Bildquelle: GZD via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

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