In den Vereinigten Staaten formiert sich ein wachsender Widerstand gegen die Errichtung von Rechenzentren, die nicht nur durch ihren Lärm, sondern auch durch ihren hohen Wasserverbrauch und die Luftverschmutzung in der Kritik stehen. Diese Anlagen, die häufig in Wohngebieten angesiedelt sind, sorgen für Unmut unter den Anwohnern, unabhängig von ihrer politischen Zugehörigkeit.
Rechenzentrum in der Nachbarschaft
Hari Doue beschreibt das Geräusch, das von dem Rechenzentrum ausgeht, als „heulend“ und „hoch“, vergleichbar mit dem Lärm eines Flugzeugs oder einer ständig laufenden Maschine. Das Rechenzentrum, das sich nur etwa 150 Meter von ihrem Wohnhaus entfernt befindet, nahm vor rund einem Jahr seinen Betrieb auf. Der örtliche Energieanbieter kann jedoch nicht genügend Strom für die zahlreichen Rechenzentren in Northern Virginia bereitstellen, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Daher läuft die Anlage im Notbetrieb, wobei die eigene Gasturbine den Strom liefert. Bei besonders hohen Temperaturen kommen zusätzlich Dieselgeneratoren zum Einsatz, was sowohl Lärm als auch schlechte Luftqualität zur Folge hat.
Steigender Bedarf an Rechenleistung
Der stetig wachsende Bedarf an Rechenleistung, bedingt durch Online-Aktivitäten wie Cloud-Speicherung, Internetnutzung und Online-Shopping, wird durch den Aufstieg der Künstlichen Intelligenz weiter verstärkt. Präsident Donald Trump hat sich zum Ziel gesetzt, den Wettlauf um die KI-Entwicklung gegen China zu gewinnen und lehnt strenge Regulierungen für diese Technologie ab. Die Regulierung von Rechenzentren obliegt jedoch den Gemeinden und Bundesstaaten.
Protestbewegung vereint unterschiedliche politische Lager
Der Widerstand gegen Rechenzentren zieht mittlerweile nicht nur Menschen aus dem linken politischen Spektrum auf die Straße. Umfragen zeigen, dass auch unter den Anhängern der Republikaner eine Mehrheit gegen den Bau dieser Anlagen in Wohngebieten ist. Bei einem landesweiten Protesttag in Frederick, einer Kleinstadt vor den Toren von Washington, versammelten sich kürzlich etwa zwei Dutzend Menschen. Viele Teilnehmer wirkten bürgerlich und schienen nicht die typischen Demonstranten zu sein.
Elyse Wilson, eine der Mitorganisatorinnen, ist überzeugt, dass dieses Thema parteiübergreifend für Unmut sorgt. Charles Zitrick, ein Lehrer aus einer kleinen Gemeinde mit nur 35 Häusern, bestätigt dies: „Das hat uns miteinander ins Gespräch gebracht, seit Jahren zum ersten Mal.“ Auch Paula D’Amico Hollewa, eine Republikanerin, äußert, dass es um das Recht aller Menschen gehe, ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Rechenzentren leben zu können.
Mobilisierung durch konservative Gruppen
Die Organisation „Humans First“, unter der Leitung von Amy Kremer, hat zu diesem landesweiten Protesttag aufgerufen. Kremer, eine rechtsgerichtete Aktivistin und langjährige Unterstützerin von Präsident Trump, möchte vor allem konservative Menschen gegen die Rechenzentren mobilisieren. Sie betont, dass auch andere Interessierte willkommen seien. Ihre Skepsis gegenüber der rasanten Entwicklung der Künstlichen Intelligenz und den Tech-Unternehmen ist deutlich. Kremer kritisiert, dass diese Unternehmen nicht nur Trump, sondern auch Aktivisten wie sie von sozialen Plattformen verbannt hätten: „Für diese Unternehmen gelten keine Vorschriften. Selbst der Straßenverkauf von Hot Dogs in New York ist strenger geregelt.“
Politische Reaktionen auf den Unmut
Die Protestwelle gegen Rechenzentren erinnert Kritiker an das NIMBY-Phänomen (Not in my backyard). Selbst Internetnutzer, die von den Dienstleistungen der Rechenzentren profitieren, sind gegen deren Errichtung in ihrer Nachbarschaft. Immer mehr Politiker erkennen die Sorgen der Bürger an: Die Anlagen verbrauchen viel Wasser und Strom, verursachen Lärm und verschmutzen die Luft, was zu steigenden Energiepreisen für Verbraucher führen kann. Bei den Vorwahlen in diesem Jahr haben einige Befürworter der Ansiedlung von Rechenzentren bereits ihre Position verloren.
Trumps Antwort auf die Bedenken
Präsident Trump möchte den amerikanischen Tech-Unternehmen möglichst viel Freiraum lassen, um den Vorsprung in der Künstlichen Intelligenz zu sichern. Dennoch scheint er die veränderte Stimmung in der Wählerschaft zu spüren. Seine Vorschläge zur Lösung der Probleme, wie die Empfehlung, dass Rechenzentren künftig bevorzugt selbst die benötigte Energie produzieren sollten, stoßen auf Skepsis. Hari Doue und ihre Familie in Sterling erleben täglich die negativen Auswirkungen: Mehr Rechenzentren würden lediglich auf Notstrom umschalten, was die Nachbarschaft mit Lärm und Abgasen belasten würde.
Quellen: tagesschau, web