Die gegenwärtige Situation in Russland ist angespannt: In 25 Regionen des Landes wird der Verkauf von Benzin und Diesel eingeschränkt, was auf massive Engpässe an Tankstellen zurückzuführen ist. Die ukrainischen Streitkräfte haben gezielte Angriffe auf russische Öl-Infrastruktur durchgeführt, wodurch die Kraftstoffversorgung erheblich beeinträchtigt wurde. Die Agrarwirtschaft warnt bereits vor dramatischen Konsequenzen für die Lebensmittelproduktion.
Massive Einschränkungen im gesamten Land
Die Krise betrifft nicht nur ländliche Gebiete, sondern auch große Städte wie Moskau und St. Petersburg. Zudem sind die zentralrussischen Oblasten Rjasan und Orjol gemäß Berichten eines unabhängigen russischen Mediums ebenfalls betroffen. Im Nordwesten des Landes erleben auch Pskow und Nowgorod Engpässe, während in Karelien und Murmansk der Treibstoffverkauf eingeschränkt wurde. Auch in den Grenzregionen wie Kursk, Belgorod und Woronesch ist ein Mangel an Kraftstoff zu verzeichnen.
Warnung der Agrarindustrie
„Wir können die Landwirtschaft bald dichtmachen“, warnte ein Vertreter der Agrarindustrie angesichts der aktuellen Situation. Laut Berichten von Korrespondenten sind die Probleme nicht auf Sibirien beschränkt, sondern betreffen auch den Süden Russlands. Ein Abgeordneter der Kremlpartei Einiges Russland äußerte, dass die Landwirtschaft in Irkutsk ernsthafte Schwierigkeiten hat, wenn nicht schnell Diesel zur Verfügung gestellt wird.
Folgen der Angriffe auf die Ölindustrie
Die Kraftstoffknappheit wird als direkte Folge der Angriffe der ukrainischen Streitkräfte auf russische Raffinerien und Treibstofflager angesehen. Im Mai wurden zahlreiche Einrichtungen in Mitleidenschaft gezogen, was zu erheblichen Produktionsausfällen führte. Experten schätzen, dass ein Drittel bis die Hälfte der russischen Raffineriekapazitäten derzeit nicht genutzt werden kann. Dies führt zur schlimmsten Treibstoffkrise in Russland seit über zwei Jahrzehnten.
Benzinverkauf eingeschränkt
In Städten wie Samara berichten Anwohner, dass viele Tankstellen der Kette Tatneft keinen Kraftstoff mehr anbieten. An den Tankstellen, die noch Treibstoff führen, sind die Abgabemengen auf 30 Liter Benzin und 60 Liter Diesel pro Kunde beschränkt. Wie lange diese Maßnahmen bestehen bleiben, ist noch unklar.
Situation auf der Krim
Auf der Krim, wo die russischen Behörden den Benzinverkauf bereits stark eingeschränkt haben, sind die Auswirkungen besonders drastisch. Die Einführung eines Couponsystems zur Regulierung des Kraftstoffkaufs hat sich als ineffektiv erwiesen, da die täglichen Quoten binnen kürzester Zeit ausverkauft sind. Einige Bewohner der Krim fahren mittlerweile bis zu 300 Kilometer, um in Krasnodar Kraftstoff zu tanken.
Einfluss auf den Tourismus
Die Kraftstoffkrise hat auch negative Auswirkungen auf den Tourismussektor, insbesondere auf der Krim, die bei Russen in den Sommermonaten beliebt ist. Branchenexperten warnen, dass in diesem Jahr mehrere Millionen Touristen aufgrund der Kraftstoffknappheit ausbleiben werden, was zu einem Rückgang der Buchungen führt.
Die Suche nach Lösungen
Eine baldige Lösung des Problems scheint nicht in Sicht. Der stellvertretende russische Ministerpräsident Alexander Nowak räumte auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg ein, dass die Fördermenge an Öl derzeit niedriger sei als üblich. Er führte dies jedoch auf „außerplanmäßige Wartungen“ zurück und nicht auf die Angriffe aus der Ukraine. Ein neuer Stab im Energieministerium wurde eingerichtet, um die Versorgungslage zu stabilisieren, doch die Wirksamkeit dieser Maßnahmen bleibt abzuwarten.
Die Situation verdeutlicht, dass die Ukraine es erneut geschafft hat, eine Benzinknappheit in Russland auszulösen, die in den Sommermonaten für das Land zu einem ernsthaften Problem werden könnte. Zudem hat Mercedes Fahrzeuge wegen Antriebsfehlern zurückgerufen, was die Automobilindustrie zusätzlich belasten könnte.
„`
Quellen: n-tv