„Ich möchte, dass das Sozialamt einen höflichen, respektvollen Umgang mit den alten armen Leuten pflegt“, sagt Hans S. (75, Name geändert). Der ehemalige Unternehmer lebt heute von Grundsicherung und sammelt Pfandflaschen, um über die Runden zu kommen. Sein Fall hat bundesweit für Empörung gesorgt, nachdem ihm die Einnahmen aus dem Pfand vollständig von der Grundsicherung abgezogen wurden.
Ein Leben im Schatten der Behörden
Hans S. war einst ein wohlhabender Unternehmer, doch heute ist sein Leben von finanziellen Schwierigkeiten geprägt. Mit einer Rente von etwas mehr als 500 Euro und aufstockender Grundsicherung bleiben ihm nach eigenen Angaben nur rund 400 Euro für Lebensmittel und andere Ausgaben. Der Konflikt mit dem Sozialamt in Altona begann, als seine Bezüge im Sommer 2025 um über 100 Euro gekürzt wurden, weil er während eines Krankenhausaufenthalts versäumt hatte, Strom- und Wasserabrechnungen einzureichen.
Der Weg zum Flaschensammeln
Um die finanzielle Lücke zu schließen, begann Hans S., Dosen und Flaschen zu sammeln. Den ersten Erlös von 58,25 Euro meldete er dem Sozialamt, in der Hoffnung, alles korrekt zu machen. Doch zu seiner Überraschung wurde der Betrag vollständig von der Grundsicherung abgezogen. „Ich habe alles ehrlich gemeldet“, erklärt er und verweist auf frühere Verkäufe, die nicht angerechnet wurden.
Rechtslage und persönliche Empfindungen
Die Anrechnung des Pfanderlöses wirft rechtliche Fragen auf. Nach Paragraf 82 des SGB XII gelten alle Einkünfte als Einkommen, jedoch gibt es keine ausdrückliche Ausnahme für Pfandflaschen. Das Bundesministerium für Arbeit erklärte, dass geringe und unregelmäßige Pfanderlöse anrechnungsfrei bleiben könnten, wenn sie keinen nennenswerten Beitrag zum Lebensunterhalt darstellen. Hans S. sieht die Pfanderlöse als Spenden und nicht als Einkommen an.
Ein Leben voller Verzicht
Der 75-Jährige beschreibt sein gegenwärtiges Leben als von Verzicht geprägt. Um Kosten zu sparen, reduziert er seine Mahlzeiten auf zwei pro Tag und lebt von Haferflocken und Tiefkühlgemüse. Auch sein soziales Leben hat stark gelitten; er trifft kaum noch Freunde und meidet teure Unternehmungen. „So viel wie ich heute mit Ihnen geredet habe, habe ich das ganze letzte Jahr nicht geredet“, sagt er.
Kampf gegen die Behörden
Hans S. hat sich entschieden, gegen die Entscheidung des Sozialamts zu kämpfen. Sein Protest blieb nicht ohne Erfolg: Das Bezirksamt entschied, dass er künftig monatlich bis zu 50 Euro Pfanderlös behalten darf, wenn er die entsprechenden Bons einreicht. Diese Regelung gilt jedoch nur für seinen Einzelfall, und eine allgemeine Freigrenze existiert weiterhin nicht.
Ein Appell für andere Betroffene
„Ich kämpfe nicht in erster Linie für mich“, betont Hans S. „Ich möchte, dass auch andere arme Menschen, die sich schlechter wehren können, eine Stimme haben.“ Sein Ziel ist es, die Behörden zu einem respektvollen Umgang mit älteren Menschen zu bewegen. Trotz der Herausforderungen, die sein Kampf mit sich bringt, bleibt er entschlossen, nicht aufzugeben.
Fazit
Die Geschichte von Hans S. ist ein eindringliches Beispiel für die Herausforderungen, mit denen viele Rentner in Deutschland konfrontiert sind. Sein unermüdlicher Einsatz für Gerechtigkeit und Würde zeigt, dass es auch in schwierigen Zeiten wichtig ist, für die eigenen Rechte einzutreten.
Quellen: mopo
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