Der Dresdner Galerist und Maler Holger John steht in der Kritik, nachdem ein Foto mit dem Rammstein-Sänger Till Lindemann veröffentlicht wurde. In der als Kulturstadt bezeichneten Stadt Dresden wird der Zugang zu einer Kunstausstellung durch Schlösser blockiert, was auf einen Protest gegen die Ausstellung und ihren Hauptakteur hinweist.
Holger John sieht sich anonymen Vorwürfen von Studierenden der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) ausgesetzt. Bereits vor der Eröffnung seiner aktuellen Ausstellung im Glaskuppelbau der Hochschule gab es Hinweise auf mögliche Störungen während der Vernissage am 30. April. In den letzten Tagen wurde ein Banner für die Ausstellung zerschnitten und ein Gittertor vor dem Gebäude mehrfach mit Schlössern versperrt. Bei einem Gespräch im Rektorat wurde John mitgeteilt, dass die Studierenden die Schließung der Ausstellung forderten.
Auslöser des Protests
John erklärt, dass sich der Protest nicht gegen seine künstlerische Arbeit, sondern gegen seine Person richte. Während der Vernissage seien Bilder ausgelegt worden, die ihn zusammen mit Till Lindemann zeigen, der in Johns Galerie seine Arbeiten als Grafiker ausstellte. Lindemann war 2023 mit schweren Vorwürfen konfrontiert worden, die von mehreren Frauen, teilweise anonym, erhoben wurden. Diese Vorwürfe wies er jedoch vollständig zurück. Im August 2023 stellte die Berliner Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen ihn mangels hinreichenden Tatverdachts ein.
Johns Reaktion auf die Vorwürfe
„Es ist hanebüchen, aus einem Foto mit Lindemann Rückschlüsse auf mein Verhalten zu ziehen“, sagte John. „Ich habe mich nichts zuschulden kommen lassen und wurde bisher nie angefeindet.“
Er betont, dass die Hochschule ihn nicht für eine Ausstellung eingeladen hätte, wenn es in der Vergangenheit Fehlverhalten gegeben hätte. Die Anschuldigungen seien ruf- und geschäftsschädigend. John äußerte, dass er keine „Mimose“ sei und durchaus Kritik akzeptiere, jedoch die Aktionen im Zusammenhang mit der Ausstellung als übertrieben empfinde.
Reaktion der Hochschule
Rektor Oliver Kossack und Kanzler Jochen Beißert gaben an, dass ihnen nicht bekannt sei, wer hinter den Protestaktionen stehe oder welches Motiv die Täter verfolge. „Die Hochschule hat Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Nach jedem Eingriff wurde der Zugang zur Ausstellung wiederhergestellt. Beschädigte Gegenstände wurden entweder ersetzt oder repariert“, so die Hochschulleitung. Zudem wurden zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen.
Dialog mit den Studierenden
Nach der Eröffnung wandten sich Studierende an die Hochschulleitung und äußerten ihre Kritik sowie Fragen zur Ausstellung und deren Rahmenbedingungen. Sie machten deutlich, dass sie die Handlungen des Künstlers ablehnen, da sie diese im Widerspruch zum Leitbild der Hochschule sehen. Die Hochschulleitung erklärte, dass sie den Dialog mit dem Studierendenrat und dessen Gleichstellungsreferat gesucht habe, um sich mit der Kritik auseinanderzusetzen.
Aufruf zum Austausch
Die Hochschulleitung forderte den Studierendenrat auf, in einen Dialog mit Holger John zu treten, da der direkte Austausch im akademischen Kontext als ein wesentlicher Weg zur produktiven Konfliktbewältigung angesehen wird.
Der Studentenrat ließ eine Anfrage zu den Vorfällen zunächst unbeantwortet. In einem Schreiben an das Rektorat hatten Studierende unter anderem die Entscheidung für die Ausstellung in Frage gestellt. „Warum stellt die Hochschule einem etablierten Künstler, der eine eigene Galerie in Dresden hat, ihre Ausstellungsfläche zur Verfügung? Sollte das Oktogon nicht eigentlich für Ausstellungen von Studierenden oder zumindest für solche mit Hochschulbezug genutzt werden?“
Die Ausstellung von Holger John ist noch bis zum kommenden Sonntag zu sehen. Ob weitere Schlösser am Eingangstor entfernt werden müssen, bleibt abzuwarten.
Quellen: mopo
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